Christiane Schünemann | Autorin

Zum Buchjournal-Schreibwettbewerb 2016

Über den 1. Preis:

Am 16.05.2016 habe ich per Mail meine unveröffentlichte Geschichte
"Rostock – München – Meer" an die Buchjournal-Redaktion gesendet.

Am 31.05.2016 war Einsendeschluss des Wettbewerbs.

Am 19.06.2016 habe ich "Rostock – München – Meer" zusammen mit zwei weiteren Kurzgeschichten als eBook via neobooks unter dem Titel "Ein Koffer voller Tränen" veröffentlicht, da ich bei der hohen Teilnehmerzahl (über 1.000) nicht mit einem Gewinn gerechnet habe.

Nun, Cesare Pavese meinte: "Man erlangt die Dinge dann, wenn man sie nicht mehr begehrt." Mail der Buchjournal-Redaktion am 23.08.2016/17:o5:
"... Es freut uns daher ganz besonders, Ihnen mitzuteilen, dass die Jury Ihren Beitrag 'Rostock – München – Meer' auf Platz 1 gesetzt hat! Herzlichen Glückwunsch! ..."

Meine Antwort am 23.08.2016/19:o9:
"... Ist ja nicht zu glauben! [...] Aber: Ich habe allen Ernstes nicht damit gerechnet, dass meine Geschichte bei dieser hohen Zahl an Einsendungen zu den Gewinnertexten zählen könnte. Ehrlich! Darum habe ich sie am 19. Juni 2016 zusammen mit zwei anderen Kurzgeschichten unter dem Titel 'Ein Koffer voller Tränen' als eBook via neobooks veröffentlicht.
Ihre Wettbewerbsbedingungen lauteten: 'Der Prosa-Beitrag darf maximal 10.000 Zeichen umfassen und muss unveröffentlicht und frei von Rechten Dritter sein. [...] Einsendeschluss: 31. Mai 2016'
Nun, genau genommen habe ich Ihre Bedingungen zum Zeitpunkt der Ausschreibung eingehalten. Wie denken Sie darüber? Wie auch immer Sie entscheiden, nichts kann meine Freude trüben!"

(Mail hin, Mail her)

Mail der Buchjournal-Redaktion am 29.08.2016/15:16:
"... nun haben wir uns noch einmal im Kollegenkreis beraten und auch unseren Ansprechpartner bei BoD zum Problem mit der Vorveröffentlichung befragt. Allzu glücklich ist man dort zwar nicht über die Vorveröffentlichung bei der Konkurrenz, aber wenn Sie uns noch einmal schriftlich zusichern könnten, dass Sie die umfassenden Rechte an Ihrem Text haben, sollte der Preisverleihung nichts mehr im Wege stehen..."

Damit es keine Rechtekollision gibt, habe ich schließlich das eBook am 29.08.2016 gelöscht und die Redaktion darüber informiert. Des Weiteren habe ich bestätigt, dass ich die umfassenden Rechte an der Geschichte besitze. (Nebenbei bemerkt, habe ich das eBook nicht sofort nach der Gewinnmitteilung am 23.09.2016 gelöscht habe, um Spuren zu verwischen, sondern erst am 29.08.2016 und nur, um eine Rechtekollision zu vermeiden.)

Mail der Buchjournal-Redaktion am 31.08.2016/12:56:
"... wunderbar, dann ist ja alles geklärt. Dann freuen wir uns auf die Preisverleihung mit Ihnen!"

Am 01.09.2016 wurde mein 1. Preis auf buchjournal.de verkündet und die Geschichte gelobt: "Die Jury war nicht nur beeindruckt vom einfallsreichen Plot, sondern auch von der virtuosen sprachlichen und formalen Durchdringung."

Am 02.09.016 erhielt ich nachmittags den Anruf eines Jurymitgliedes, dass der Preis aberkannt wurde, da es Klagen gegeben hat, und "man die Kunden von BoD nicht verprellen will".

Auf der Internet-Zeitung für die Hansestadt DAS IST ROSTOCK.DE
http://www.das-ist-rostock.de/kultur/literatur/die-beste-kurzgeschichte-4767/ erschien unter der Gewinnmitteilung vom 02.09.2016 vormittags diese Meldung:

"Update am 2. September um 19 Uhr: Die Redaktion des Buchjournals hat bekannt gegeben, dass Christiane Schünemann den ersten Preis des Schreibwettbewerbes nicht erhalten wird. In einer Erklärung bedauert die Jury und der Kooperationspartner Books on Demand sehr, die Zuerkennung des ersten Preises an Christiane Schünemann zurücknehmen zu müssen. Weiter heißt es: 'Die Entscheidung war aber leider nicht zu vermeiden. Zum Zeitpunkt der Jurysitzung war uns nicht bekannt, dass Frau Schünemanns Text, entgegen unseren Teilnahmebedingungen („unveröffentlicht und frei von Rechten Dritter“), bereits in einer Kurzgeschichtensammlung auf Neobooks erschienen war. Darüber hat uns Frau Schünemann sofort informiert, nachdem wir ihr das Ergebnis des Wettbewerbs mitgeteilt hatten. Unser Fehler ist, dass wir angesichts der hohen Qualität der Erzählung und der Tatsache, dass Frau Schünemann den Text bei Neobooks zurückgezogen hat, ein Auge zudrücken wollten. Tatsache ist aber leider auch, dass der Text im Internet, das ja bekanntlich nicht so schnell vergisst, immer noch recherchierbar und als Leseprobe zu haben ist. Nach einigen Diskussionen in der Redaktion und mit unserem Kooperationspartner haben wir uns daher entschieden – so unbefriedigend die Situation für alle Beteiligten ist -, den Beitrag im Nachhinein aus dem Wettbewerb zu nehmen.'”

Die erneute Verkündung der Gewinner "Virtuos und einfallreich" vom 05.09.2016, die inzwischen auf den 01.09.2016 rückdatiert wurde, (http://www.buchjournal.de/1234489/) klingt, als hätte ich eine Geschichte eingereicht, die ich schon veröffentlicht hatte. Die erneute Verkündung klingt, als hätte ich die Jury ausgetrickst:

"'So viele gut geschriebene, einfallsreiche Texte wie in diesem Jahr haben wir selten bekommen', sagt Buchjournal-Redaktionsleiter und Jurymitglied Eckart Baier. Umso mehr bedauert er, dass der Beitrag, der von den Juroren auf Platz eins gesetzt und kurzzeitig offiziell als Sieger ausgerufen wurde, nachträglich vom Wettbewerb ausgeschlossen werden musste. Die Jury hatte erst nach der Entscheidung erfahren, dass die Erzählung bereits veröffentlicht war – laut den Wettbewerbsregeln dürfen jedoch nur unveröffentlichte Texte eingereicht werden."

(Wenn die Geschichte im Nachhinein aus dem Wettbewerb ausgeschlossen werden musste, so hat die Jury vermutlich auch erst nach der Preisverkündung davon erfahren.)

Zusammenfassung:
Den Wettbewerbsbedingungen entsprechend habe ich am 16.05.2016 eine unveröffentlichte Geschichte eingereicht.
Einsendeschluss war der 31.05.2016.
Am 19.06.2016, habe ich die Geschichte als eBook veröffentlicht.
Sofort nach der Gewinnmitteilung am 23.08.2016 habe ich die Jury über die nachträgliche Veröffentlichung informiert.
Mit dem Wissen der nachträglichen Veröffentlichung wurde der 1. Preis am 01.09.2016 auf Buchjournal.de verkündet.
Am 02.09.2016 nachmittags wurde der Preis telefonisch aberkannt, indem mein Beitrag im Nachhinein aus dem Wettbewerb genommen wurde.

Die Aberkennung eines Preises muss schwerwiegende Gründe haben! Es muss ein Fehlverhalten vorliegen.
Was die Aberkennung des 1. Preises beim Buchjournal-Schreibwettbewerb 2016 betrifft, so habe nicht ich mich fehlverhalten, sondern die Jury. Um jedoch die Aberkennung des Preises in der Öffentlichkeit zu rechtfertigen, hat die Jury mir ein Fehlverhalten unterstellt.

Meine Mail vom 07.09.2016 an die Leitung und Redaktion des Buchjournals, in der ich die vom 05.09.2016 auf den 01.09.2016 rückdatierte Meldung "als rufschädigend empfinde", wurde am 09.09.2016/12:47 beantwortet:

"... ich kann Ihren Ärger und Unmut über den Verlauf des Schreibwettbewerbs und das Prozedere bei der Preisverleihung und –rücknahme wirklich gut verstehen. Wir bedauern es sehr, dass die Sache auch durch unser Fehlverhalten so gelaufen ist. Natürlich hätten wir, als Sie uns von der Neobook-Publikation unterrichteten, sofort die Notbremse ziehen müssen und Ihren Beitrag aus dem Wettbewerb nehmen müssen, bevor das Ergebnis kommuniziert und nach einem Tag dann doch wieder zurückgenommen wurde. Vielleicht haben Sie auch Recht, dass unsere Wettbewerbsbedingungen unklar formuliert sind, doch für uns und viele andere Teilnehmer ist es klar, dass ein Wettbewerbsbeitrag während der Juryphase bis zur Entscheidung  unveröffentlicht sein muss, sonst macht diese Einschränkung ja auch keinen Sinn, wie das Ergebnis nun zeigt. Dass Sie unsere Meldung als rufschädigend empfinden, kann ich allerdings nicht nachvollziehen, da auf buchjournal.de kein Name genannt wird.
Natürlich können wir nun nicht mehr rückgängig machen, was schief gelaufen ist, würden uns aber freuen, wenn wir Ihnen als kleine, sicherlich eher symbolische Entschädigung für Ihren Unmut einen Bücherscheck über 100 € zukommen lassen dürfen."

Die Annahme einer "symbolischen Entschädigung", egal in welcher Höhe, kommt für mich nicht in Frage.

Mail von Books on Demand am 21.09.2016/15:46:
"Guten Tag Christiane Schünemann, vielen Dank für Ihre Teilnahme am Schreibwettbewerb 2016 von BoD und dem Buchjournal. Wir sind begeistert von der Vielzahl und dem Facettenreichtum der eingereichten Kurzgeschichten. Umso schwieriger fiel uns die Wahl der Gewinnergeschichten.
Leider zählten Sie nicht zu den Gewinnern, dennoch haben wir heute eine Überraschung für Sie: Wir schenken Ihnen eine kostenlose Buchveröffentlichung mit BoD Classic!"

Endlich kann ich wieder lachen.


Ironie: Ich reiche beim Buchjournal-Schreibwettbewerb 2016 eine später gelobte Geschichte über menschliche Größe ein, um dann mangelnde menschliche Größe erfahren zu müssen.

Das Ende der Geschichte "Rostock – Frankfurt – Mehr":
„Nein“, sagte sie leise. Dann drehte sie sich um und ging. Ob sie es 
noch schaffen würde, unbeschadet bis zum Schreibtisch zu kommen?

PS: Das eBook "Ein Koffer voller Tränen" mit "Rostock – München – Meer" ist wieder erhältlich.